Schulterbeschwerden: Rotatorenmanschettenriss, Schulterenge, Kalkschulter und Frozen Shoulder
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln und Sehnen, die das Schultergelenk stabilisieren. Risse entstehen degenerativ, häufig ab dem 50. Lebensjahr, oder traumatisch durch einen Sturz oder eine Ausrenkung. Typisch sind Schmerzen bei Überkopfbewegungen und nachts beim Liegen auf der betroffenen Seite sowie ein Kraftverlust beim Armheben. Die Diagnose stellen wir durch klinische Funktionstests und den Ultraschall, die MRT zeigt Rissform, Rissgröße und Muskelqualität am genauesten.
Kleine, degenerative Teilrisse lassen sich konservativ behandeln, mit Physiotherapie, Infiltrationen, Stoßwellen- und Magnetfeldtherapie. Bei kleinen Rissen setze ich zusätzlich ACP-Eigenbluttherapie und Stammzellentherapie (Miracell®) mit sehr gutem Erfolg ein. Bei größeren oder akuten Rissen aktiver Patientinnen und Patienten wird die Sehne arthroskopisch genäht, bei massiven, nicht mehr rekonstruierbaren Rissen kommen ein Muskeltransfer oder eine inverse Schulterprothese in Betracht. Nach einer Operation trägt man 6 bis 8 Wochen eine Armschlinge, danach folgt ein schrittweiser Aufbau über 3 bis 6 Monate mit aufwendiger Physiotherapie. Auch bei bester Versorgung können Restbeschwerden bleiben.
Schulterenge (Impingement-Syndrom)
Beim Impingement-Syndrom werden Sehnen der Rotatorenmanschette und der Schleimbeutel unter dem Schulterdach eingeklemmt, etwa durch einen Knochensporn, eine Schleimbeutelentzündung, Sehnenverkalkungen oder muskuläre Dysbalancen. Typisch ist ein schmerzhafter Bogen beim seitlichen Armheben zwischen etwa 60 und 120 Grad, dazu Nachtschmerz und Schmerzen bei Überkopfarbeiten. Die Behandlung ist zunächst konservativ: Physiotherapie zur Zentrierung des Schultergelenks, Stoßwellentherapie bei begleitender Verkalkung und entzündungshemmende Infiltrationen. Führt dies über 3 bis 6 Monate nicht zum Erfolg, kann der Raum unter dem Schulterdach arthroskopisch erweitert werden (subakromiale Dekompression).
Kalkschulter (Tendinitis calcarea)
Bei der Kalkschulter lagert sich Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschette ab, meist in der Supraspinatussehne. Häufig sind Frauen zwischen 30 und 50 Jahren betroffen. In der Phase des Kalkabbaus können plötzlich heftigste Schmerzen mit Nachtschmerz und Ausstrahlung in den Oberarm auftreten. Das Röntgen zeigt die Kalkdepots deutlich, der Ultraschall Lage und Größe in Echtzeit. Zur Behandlung setze ich in der Wiener Ordination die hochenergetische fokussierte Stoßwellentherapie ein, die bei der Kalkschulter als gut untersucht gilt. Ergänzend kommen entzündungshemmende Medikamente und Infiltrationen, Physiotherapie und das Needling (ultraschallgestützte Kalkpunktion) infrage. Bei Therapieversagen oder sehr großen Kalkdepots kann der Kalk arthroskopisch entfernt werden.
Frozen Shoulder (Schultersteife)
Die Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis) ist eine schmerzhafte Versteifung des Schultergelenks durch Schrumpfung und Entzündung der Gelenkkapsel. Sie kann ohne erkennbare Ursache oder nach einer Verletzung, Operation oder längeren Ruhigstellung entstehen, Risikofaktoren sind Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen. Der Verlauf hat drei Phasen: In der Einfrierphase nehmen die Schmerzen zu, besonders nachts, in der gefrorenen Phase dominiert die Steifigkeit, in der Auftauphase bessert sich die Beweglichkeit langsam. Unbehandelt dauert die gesamte Erkrankung ein bis drei Jahre. Zur Behandlung gehören Schmerztherapie, häufig auch eine orale Cortisontherapie, Cortison-Infiltrationen in das Gelenk, die den Verlauf nachweislich beschleunigen, Hydrodilatation, schmerzadaptierte Physiotherapie ohne forciertes Dehnen in der Schmerzphase und Stoßwellentherapie. Bleibt die Besserung aus, kann das Gelenk in Narkose mobilisiert oder die Kapsel arthroskopisch gelöst werden.
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